netSCHOOL Wirtschaft Wissen Berufsreportagen

Landschaftsplanerin
Ulla Schuch, 38, Frankfurt
[ Überblick Berufsreportagen ]
Von ihrem Büro im sechsten Stock des Nordendhauses kann Ulla Schuch fast die ganze Stadt überblicken. Hochhäuser, Hochhäuser, Hochhäuser. Aber da gibt es noch etwas, das zwar angesichts der dominanten Gebäude-Riesen kaum ins Auge fällt, für die Landschaftsplanerin aber mindestens genauso beachtenswert ist: Natur. Denn von oben betrachtet ist das Nordend alles andere als eine Betonwüste. Überall zwischen den Häusern sprießt das Grün. Und manche Dachterrassen verleiten sogar im Winter dazu, von Hängematten und Feierabend unter Palmen zu träumen.

Ulla Schuch arbeitet seit sieben Jahren als Landschaftsplanerin, und sie könnte selbst aus der winzigsten Freifläche ein grünes Paradies machen. In ihrem eigenen kleinen Vorgarten, in dem im Winter Schneeglöckchen, im Sommer Pfingstrosen blühen, hat sie eine Regentonne vergraben und eine Wasserpumpe installiert. "Die hat gerade mal 30 Mark gekostet", sagt die 38jährige.

Ein schöner Garten muss also nicht teuer sein. Kann es aber durchaus, wenn man selbst keinen grünen Daumen, dafür aber das nötige Kleingeld hat. Was Ulla Schuch derzeit für ein Grundstück im Frankfurter Dichterviertel entwirft, hat durchaus luxuriösen Charakter. Jedes Detail berücksichtigt die Planerin bei der Gestaltung - vom Kirschbaum bis zur römischen Statue als Blickfang vor dem Fenster. "In unseren Klimazonen erlebt man den Garten ja vor allem vom Haus aus", erklärt Ulla Schuch.

Die Sicht-Verbindungen von innen nach außen spielen in ihren Planungen deshalb eine ebenso große Rolle wie ökologische Aspekte, die man ihr beim Studium an der Universität Gießen "bis zum Abwinken" vermittelt hat. Offenbar mit Erfolg, denn für ein von ihrem Büro entwickeltes System der Regenwasserwiederverwendung bei der Dachbegrünung eines Gebäudes in Berlin hat Ulla Schuch 1997 den Deutschen Landschafts-Architekturpreis erhalten. Doch nicht immer ist die Arbeit von solchem Erfolg gekrönt. Zwei ihrer Projekte in Berlin und Leipzig kommen zur Zeit nicht voran, weil den Investoren das Geld ausgegangen ist und ein Baustop auch ihre Arbeit blockiert. "Nicht gerade rosige Zeiten", sagt Ulla Schuch, die neben der Büroarbeit auch noch an ihrer Promotion schreibt und sich um ihren zwei Monate alten Sohn kümmert. Als Tochter eines Landwirts hatte die Landschaftsplanerin schon früh gelernt, handwerklich zu arbeiten - was ihr während des Studiums und im Job zugute kam.

Gerade als Frau brauche man technische Grundkenntnisse, weiß Ulla Schuch aus Erfahrung: "Vor allem, wenn man mit den Bauleitern verhandelt." Darüber hinaus erwarten heute die meisten Hochschulen, dass man vor Studienbeginn bereits praktische Erfahrungen gesammelt hat - beispielsweise in der Landwirtschaft. (ki)

Nähere Informationen zum Beruf des Landschaftsplaners erteilt das Berufsinformationszentrum, Fischerfeldstraße 10-12, 0 69 / 21 71 22 22 . Neben Blättern zur Berufskunde erhält man dort auch Hochschul-Adressen. Eine Einführung in die Landschaftsplanung gibt Ulla Schuch bei einem Wochenend-Workshop zum Thema "Wie gestalte ich meinen Garten" am 6./7. sowie 27./28. Februar. Anmeldung unter 0 69 / 59 79 53 79 / 78 .

FR vom 3.2.1999

  zum Überblick Berufsreportagen


Anregungen, Kritik und Kommentare    Redaktion netSCHOOL 2001